Matratzen werden kreislauffähig – punkt4


24. Januar 2020 14:18

Auf Einladung der Organisation PUSCH sind am Donnerstag Vertreter der Wirtschaft zusammengekommen, um ressourcenschonende Ansätze für die Produktion und Wiederverwertung von Matratzen zu finden. Die Veranstaltung fand im Rahmen der SHIFT Switzerland statt. Die Messe für Kreislaufwirtschaft wurde parallel zur Swiss Plastics Expo durchgeführt.

An der Veranstaltung nahmen Vertreter von Unternehmen entlang der kompletten Wertschöpfungskette teil. Dazu gehörten neben Industriedesignern auch der Schaumstoff-Hersteller FoamPartner aus Wolfhausen ZH, der Matratzenhersteller BICO aus Schänis SG und grosse Schweizer Händler wie Micasa und Möbel Pfister. Die Erwartungen der Anwenderseite wurden vertreten durch das Kantonsspital St.Gallen

Das Problem beschrieb Christian Meier, Projektleiter Kreislaufwirtschaft bei PUSCH, folgendermassen: „Bis zu 1 Million alter Matratzen werden jährlich in der Schweiz der Verbrennung zugeführt. Das sind rund 30‘000 Tonnen Materialien, die zum Teil vermieden oder wiederverwertet werden könnten.“ Im Pionierprojekt „Make Furniture Circular“ setzt PUSCH sich dafür ein, dass in der Schweizer Möbelindustrie verstärkt mit kreislauffähigen Materialflüssen gearbeitet wird. Unterstützt wird PUSCH dabei durch den Förderfonds Engagement Migros

Eine Erkenntnis zog sich durch die Debatten zur kreislauffähigen Matratze: Neue Geschäftsmodelle versprechen auch hier, den Ressourcenkreislauf zu vereinfachen und Wertschöpfung zu generieren. Neben anderen Optionen gibt es etwa Mietmatratzen, deren Lebenszyklus deutlich länger als bei einer regulären Matratze ist. In der Schweiz nutzt diese Idee der Traditionsmatratzenhersteller Elite, der in den letzten elf Jahren seinen Umsatz verzehnfachen konnte.

Elite bietet Mietmatratzen aus umweltfreundlichen Materialien inklusive umfangreichem Service an. Gerade in der gehobenen Hotellerie setzt sich das Elite-Prinzip Smart Lease durch, bei der die Verwendung und nicht das Produkt selbst verkauft wird. Dabei kommt die Reparatur immer vor dem Austausch der hochwertigen Matratze – hierfür sei sie von Grund auf konzipiert, erklärt André Niedermann von Elite. 

In Bezug auf die Wiederverwertung ist noch ein weiter Weg zu gehen, war sich die Gruppe einig. In der Schweiz findet dies bislang nicht statt. Für Grossbritannien stellte Nick Oettinger von der TFR Group vor, wie sein Unternehmen dort inzwischen 9000 Matratzen wöchentlich wiederverwertet. Schwierigkeiten ergeben sich laut Oettinger insbesondere dadurch, dass Materialien schwer zu identifizieren und zu trennen sind. Hier fehlen bislang einheitliche Standards und kreislauffreundliche Regulierungen. yvh

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