Aus Klärschlamm Energie und Mineralsalze gewinnen

Lausanne – Eine Ausgründung der Eidgenössischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat ein System entwickelt, das Klärschlamm für die Gewinnung von Dünger und Energie nutzt. Das System von TreaTech spart Platz und erzeugt keinen Abfall.

Der Klärschlamm aus Kläranlagen ist lange Zeit direkt als Dünger entsorgt worden. Dies ist in der Schweiz aufgrund der hohen Phosphorkonzentration im Schlamm seit etwas mehr als zehn Jahren verboten. Derzeit wird der Schlamm in der Regel zu sogenanntem Kuchen getrocknet und verbrannt, wobei jedes Jahr Tausende Tonnen Phosphor mitverbrannt werden. Bisher gab es keine praktikable Methode zur Wiedergewinnung des Phosphors aus Abwasserströmen. Ingenieure der EPFL haben laut einer Pressemitteilung ein System zur Rückgewinnung des Phosphors entwickelt. Damit lässt sich der Schlamm wieder als Düngemittel verwenden oder auch in Biogas umwandeln.

„Unser System kann Schlamm direkt aus Kläranlagen zurückgewinnen, ohne dass eine Trocknung oder andere Vorbehandlung erforderlich ist“, sagt Frédéric Juillard, CEO von TreaTech. Das System von TreaTech kann dank einer am Paul Scherrer Institut (PSI) entwickelten Technologie auch Biogas aus dem Abwasser erzeugen. Dies ist mit Hilfe der sogenannten thermischen Vergasung möglich.

Einige Kläranlagen verfügen bereits über Systeme zur Rückgewinnung von Schlamm in Biogas. „Derzeit verwendete Biodigester können jedoch nur 40 bis 50 Prozent der organischen Substanz umwandeln“, sagt Gaël Peng, Mitgründer von TreaTech. Der neuartige Reaktortyp verwendet Ruthenium als Katalysator. Dadurch gelingt eine nahezu vollständige Umwandlung in Biogas. Dieses lässt sich zur Erzeugung von Wärme, Strom oder sogar als Biokraftstoff verwenden. Das entstehende Wasser ist frei von Giftstoffen und kann direkt in kommunale Wassersysteme zurückgepumpt werden.

Darüber hinaus spart die neue Technologie viel Zeit: Die Reaktoren können in nur 20 Minuten aus Schlamm Biogas machen, während bestehende Biovergaser etwa 30 Tage benötigen. Das spart auch bei Kläranlagen Platz und hinterlässt keinen Abfall.

Die Forschung von TreaTech wird vom Paul Scherrer Institut sowie vom Bundesamt für Energie unterstützt. Das Unternehmen hat einen Prototypen erfolgreich getestet und baut nun eine grössere Version. Die Anlage soll 2022 in einer Kläranlage installiert werden. eb

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